Bonaire
Die Insel Bonaire ist geographisch Teil der kleinen Antillen. Politisch
gehört sie zu den Niederländischen Antillen. Sie ist die zweitgrößte
der "ABC-Inseln" (Aruba, Bonaire, Curaçao). Touristisch
attraktiv wird das Taucherparadies Bonaire durch die Unterwasserwelt.
Die Gesamtfläche beträgt 288 km², die Bevölkerungszahl
etwa 15.000. Inselhauptstadt ist Kralendijk, die Verwaltungshauptstadt
der Niederländischen Antillen ist Willemstad auf der Insel Curacao.
Amtssprache ist Niederländisch. Papiamentu ist Umgangssprache, eine
Mischung aus Portugiesisch, Spanisch, Niederländisch und Englisch.
Regierungsform ist die konstitutionelle Monarchie, Staatsoberhaupt der
jeweilige niederländische Monarch. Die Niederländischen Antillen
besitzen den Status einer autonomen Region mit innerer Selbstverwaltung.
Die "Caiquetíos", ein Stamm der Arawak waren die ersten
Siedler auf Bonaire. Sie gaben der Insel den Namen "Bonay" (tiefes
Land). Erste Europäer landeten 1499 unter Alonso de Ojeda und Amerigo
Vespucci auf der ABC-Inselgruppe und nahmen sie für Spanien unter
dem Namen "Islas Inútiles" (Nutzlose Inseln) in Besitz,
da sie auf den Inseln nichts Verwertbares fanden. Sie nannten Bonaire
auch "Islas de los gigantes" (Inseln der Riesen), denn die Bewohner
waren in Schnitt ein Kopf größer als die Eroberer. 1513-1515
wurden alle Indianer als Sklaven nach Hispaniola entführt. Bonaire
blieb entvölkert und menschenleer zurück.
1526 wurden einige der überlebenden Ureinwohner zurückgebracht,
wo sie für die Viehzucht eingesetzt wurden. Sie wurden freigelassen,
da sie so weniger kosteten. Das Vieh war von den Spaniern ausgesetzt worden
und wurde ab und zu zusammengetrieben und "ausgedünnt".
Hauptsächlich wegen der Häute, in geringerem Umfang wegen des
Fleisches, aus dem Pökelfleisch gemacht wurde, mit Hilfe des Salzes
aus den natürlichen Salinen auf der Südhälfte der Insel.
Salz wurde erst später in großem Maßstab gewonnen, denn
noch fehlten Arbeitskräfte. Besiedlung durch Europäer wurde
von Spanien nicht gefördert, weil das Land keinen ausreichenden Schutz
gegen Piraten bieten konnte.
Die älteste europäische Siedlung auf der Insel heißt "Rincón"
(Winkel) und liegt im kühleren Norden der Insel, wo schon Caiquetios
lebten. Später verlagerte sich der Schwerpunkt weiter nach Süden,
aber immer noch in der Nordhälfte und in gebührendem Abstand
des gefährlichen Meeres. Das Dorf "Al Interior" (Im Landesinneren)
wurde von Spaniern gegründet, die von niederländischen Piraten
auf Bonaire ausgesetzt worden waren. Heute heißt es Antriol.
1633 nahmen die Holländer die Insel erstmals in Besitz. Sie brauchten
die ABC-Inseln nicht nur wegen ihrer strategischen Lage, sondern besonders
Bonaire auch wegen vorhandener, aber kaum ausgebauten Salinen. Das Salz
wurde in Holland nicht nur für Konservierung von Lebensmitteln (Heringe,
Käse) gebraucht, sondern in zunehmendem Maße für Industrie,
besonders Keramik (Delft) und Glas (Leerdam).
Nachdem Spanien ihren Salzlieferanten Portugal 1580 eingegliedert hatte,
bezogen die Holländer ihr Salz zunächst aus Punto de Arraya
an der venezolanischen Küste. Nach dem 1621 hier die Spanier durch
Bau einer Festung ("Fort Kostverloren") das Geschäft verdorben
hatten, besetzten sie die ABC-Inseln. Sie bauten als erstes die Salinen
aus. Die Arbeitssklaven wurden aus Afrika importiert. Spanier führten
die Plantagenwirtschaft ein und fällten Färbeholz (Brasilholz,
'haematoxylon brasiletto Karst'. Das portugiesische Wort Brasil heißt
'rot'.) und extrem hartes Holz für Holzzahnräder (Windmühlen!)
Ruderpinnen und medizinische Zwecke (Wayacá, sp.: Guaiacó,
guaiacum officinale). Durch den Raubbau wurde es auf Bonaire fast ausgerottet.
Während der Französischen Revolution übernahmen Engländer
Bonaire, aber letztlich wurde es nach der Niederlage Napoleons, im Vertrag
von Paris 1816, endgültig den Niederlanden zugesprochen. Das Königreich
der Niederlande gab sich 1954 ein neues Statut. Die Karibische Kolonie,
darunter Bonaire, wurde als Niederländische Antillen autonom. Bonaire
bildet innerhalb dieser Struktur eine Gemeinde, der Bürgermeister
wird "Gezaghebber" (Machthaber) genannt.
Die Insel besteht aus zwei Teilen, dem grüneren hügeligen nördlichen
Teil und der flachen Südhälfte.
Der Hauptort Kralendijk befindet sich im Übergangsgebiet. Auf der
ganzen Insel findet man wilde Esel und Leguane. Die meisten Esel sind
inzwischen aber im Eselreservat nahe des Flughafens untergebracht.
Es wachsen auf der ganzen Insel baumgroße Säulen- und Kandelaberkakteen.
Die Säulenkakteen wurden und werden als Material für ziegensichere
Hecken verwendet.
Im Norden trocknen Sonne und Wind den Boden weniger stark aus, darum ist
die Vegetation dichter und artenreicher. Hier ist menschliche Besiedlung,
hier befanden sich die heute verlassenen Plantagen. Die Bewohner bewirtschaften
hier und da noch private Miniplantagen, die sie ihren "Knuku"
nennen.
Durch Abholzung hat die Insel ihre ursprüngliche Vegetation verloren,
besonders in der englischen Zeit (Französische Revolution). Heute
ist aber dennoch der Norden immer noch grüner. Eine sehr charakteristische
Baumart ist der Dividivi, der seine Krone wie eine Fahne nach dem Passat
richtet. Der nördwestliche Teil der Insel ist ein Naturpark (Washington
Nationaal Park). Sie ist das Gebiet der ehemaligen Plantage Washington,
einschließlich des natürlichen Hafens Slagbaai (Schlachtbucht),
von wo das Pökelfleisch verschifft wurde.
Die Südhälfte war immer schon eine Kakteenwüste. Hier waren
die natürlichen Salzseen mit ihren Flamingos, die zu Salinen ausgebaut
wurden. Mittlerweile wird im Süden ein Viertel der gesamten Landfläche
der Insel zur Salzgewinnung genutzt. Mitten in diesem Gebiet können
Flamingos beobachtet werden, denen man dort ein Schutzgebiet für
den Bau ihrer Schlammnester eingerichtet hat. Da dieses Sanktuarium mitten
in diesen Salinen liegt, ist es da ruhig und wird es von den Flamingos
gut angenommen. Der Salzsee im Norden, das Gotomeer, ist Teil des "Washington
Nationaal Park" und als solches geschützt. Auch hier können
Flamingos beobachtet werden.
Im Jahre 1971 wurde der "Bonaire Marine Park" gegründet,
mit dem Ziel, die Unterwasserwelt der Gegend zu schützen. 1997 erklärte
ihn die Regierung offiziell zum Naturschutzgebiet. Die intakten Riffe
und das klare Wasser ziehen jedes Jahr um die 50.000 Touristen zum Tauchen
und Schnorcheln an. Um dieses Paradies nicht zu gefährden, wurden
strenge Regeln zum Schutze der Unterwasserwelt eingeführt.
Vor der Westküste liegt die unbewohnte kleine Insel Klein Bonaire.
Auf der Ostseite der Insel, dem ewig wehenden Nord-Ost-Passat zugewandt,
ist die Küste schroff und felsig und das Meer wild, hier und da unterbrochen
von schönen sandigen Buchten. Die größte Bucht ist Lac
mit seinem Mangrovenwald. Hier wurden in vergangenen Jahrhunderten große
Meeresschecken (Carcós) gefischt (heute verboten), deren Schalen
dort noch in großen Haufen herum liegen.
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